Geprüfte/r Industriemeister/in Metall (IHK)

Wenn man es will, dann schafft man es auch

Begeisterung für die richtigen Entscheidungen und den aktuellen Job: Veith Werner absolvierte die Weiterbildung zum geprüften Industriemeister Metall (IHK) bei der Wirtschaftsakademie in Norderstedt und ist darüber sehr glücklich - weil es ihn beruflich und privat weitergebracht hat.

Veith Werner aus Reinfeld startete mit einem Hauptschulabschluss, holte an der Berufsfachschule seinen Realschulabschluss nach und begann 1993 eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker im Bereich Versorgungstechnik bei der Firma Minimax. Nachdem er als drittbester Schleswig-Holstein abgeschnitten hatte, war er in ganz Deutschland auf Montage unterwegs. Einige Jahre später folgte für ihn dann „glücklicherweise“ der Wechsel auf den so genannten Servicewagen. Zuständig für Wartung, Instandhaltung und Störungsbeseitigung in ganz Norddeutschland war er froh, dass er durch geregelte Arbeitszeiten mehr zu Hause sein konnte.

Im Jahr 2014 kam dann der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung auf. „Mein Job war für mich wie in dem Film „Täglich grüßt das Murmeltier“. Ich habe für mich erkannt, dass das nicht alles sein und die nächsten 25 Jahre so weiter gehen kann. Also sprach ich mit meinem Serviceleiter und Mentor.“ Gemeinsam überlegten die beiden und kamen auf die Weiterbildung zum Industriemeister Fachrichtung Metall. „Ich wollte die Fortbildung für mich selbst machen und hätte es auch ohne Unterstützung durchgezogen.“ Doch dazu musste es gar nicht kommen, da sein Arbeitgeber Minimax GmbH & Co. KG, Marktführer im Brandschutz, die kompletten Kosten für die Fortbildung übernahm.

Ein Jahr später hieß es für den 39-Jährigen dann wieder „das Lernen zu lernen“. „Mit fast 40 war ich einer der Ältesten in der Klasse. Es waren auf jeden Fall einige Momente dabei, in denen ich dachte, mein Gott was mach ich hier und alle anderen sind am Strand. Aber ich hätte auch nie gedacht, dass man so viel aufnehmen kann und wie strukturiert man wird. Das brachte mich beruflich und privat nach vorne.“

Trotz einer 60 Stunden Woche mit Arbeit, Unterricht und Lerngruppe schaffte Veith Werner es, die Weiterbildung in sein Privatleben zu integrieren. „Das ging nur, weil meine Frau hinter mir stand. Früher war Samstag unser gemeinsamer Familientag mit meinem damals 10-jährigen Sohn. Während der Zeit an der Wirtschaftsakademie waren es die Sonntage. Und der Tag war gesetzt. Egal wie kaputt ich war. Heute kann ich dafür meinem Sohn bei seinen Hausaufgaben in Fächern wie Mathe und Chemie helfen. Das war vor der Meisterschule nicht der Fall.“ Wie stolz ihn der Abschluss macht, zeigt neben seiner Begeisterung auch der schriftliche Beweis: Sein Meisterbrief hängt gut sichtbar im Wohnzimmer.

Zum Ausgleich half dem Vater aus Reinfeld in anstrengenden Phasen neben seiner Familie und Zeit im eigenen Garten ein besonderes Hobby. Er hat die Genehmigung vom Land am Strand zu Sondeln. Sondeln heißt, mit einem Metallsuchgerät auf Schutzsuche zu gehen. „Ich wollte das immer schon mal ausprobieren und der Lehrgang hat mich auch dazu gebracht.“

Seit 1,5 Jahren ist der IHK-geprüfte Industriemeister nun Servicemeister SV Aggregate. Er ist zuständig für Dieselaggregate und für 14 Monteure in ganz Deutschland. Er begleitet neue Monteure in der Fortbildung, ist zuständig für die Rekrutierung und für Themen wie Sicherheit, Gesundheit und Umwelt. Sein vielfältiger Job bringt ihn durch ganz Deutschland. Er fährt zu „seinen“ Monteuren in die Region und schaut, ob es alles vernünftig läuft. Mit großem Verantwortungsbewusstsein kümmert er sich um seine Mitarbeiter und das „bringt unheimlich viel Spaß, weil meine Leute voll hinter mir stehen.“ Bewältigen könne er das aber nur, dank der Weiterbildung zum Industriemeister. Anfangs ist die Umstellung vom Kollegen zum Chef für ihn eine Herausforderung gewesen, aber inzwischen kann er gut damit umgehen.

Im letzten Jahr nahm Veith Werner auch noch am Lehrgang zum Qualitätsmanagement-Assistenten teil – wieder bei der Wirtschaftsakademie in Norderstedt. „Ohne das Thema Qualitätsmanagement geht es im Job gar nicht und man kann sehr viel mit dem Gelernten anfangen“, so der sympathische Absolvent.

Sein Fazit und Tipp: „Man muss es selber wollen, dann schafft man es auch!“

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Weitere Erfahrungberichte geprüfter Industriemeister (IHK) der Fachrichtung Metall:

Vom Maschinenbediener zum geprüften Industriemeister (IHK) mit QM-Kompetenz

„Manchmal ist mein Familienname Programm“, sagt der 41-jährige Christian Neu aus Eckernförde über sich selbst: Mit seiner Begeisterung für neues Know-how, mit viel Elan und eiserner Disziplin hat er sich vom Produktionsmitarbeiter zum Teamleiter mit QM-Kompetenz weiterentwickelt – und er ist noch nicht angekommen. Sein beruflicher Werdegang könnte ein Musterbeispiel dafür sein, wie praxisnahe und fundierte Bildung zum beruflichen Erfolg verhilft.

Wenn wir unseren Wäschetrockner bedienen oder beim eifrigen Küchengefecht die Dunstabzugshaube anwerfen, dann kommen wir mit ihnen unweigerlich in Kontakt: Lüfterräder aus Metall, so wie sie in Eckernförde an der Ostsee seit über 65 Jahren bei der punker GmbH gefertigt werden. Mittlerweile agiert das Unternehmen international und bietet für viele Branchen lufttechnische Systemlösungen und Gebläse an. Christian Neu beschäftigt sich seit mehr als 19 Jahren mit diesem Gebiet. Er begann seine Karriere dort als Maschinenbediener, wurde Teamleiter in der Produktion und ist heute für das Qualitätsmanagement mitverantwortlich.

Wenn Christian Neu nicht am Schreibtisch sitzt, um Prozesse zu optimieren, ist er im Betrieb unterwegs. Er unterstützt die Produktion mit Beratung, Einschätzungen zu Einzelteilen und leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Qualität. Dazu gehören auch die Erstbemusterung neuer Komponenten, Bearbeitung interner Reklamationen sowie die Betriebsmittelabnahme. Außerdem fungiert er als wichtiger Knotenpunkt zwischen Vertrieb, technischem Einkauf und Produktion. 

Damals startete Christian Neu nach der Schulzeit zunächst eine Ausbildung zum Stahlbetonbauer in Pirmasens. Nach dem Wehrdienst war er vorübergehend bei einem internationalen Unternehmen aus der Zuliefererindustrie als Verpackungsspezialist beschäftigt. Es war die Jobsuche, die den damals 22-jährigen aus seinem kleinen Heimatort in Rheinland-Pfalz in den hohen Norden lockte.

Im Jahr 2000 begann er als Maschinenbediener beim mittelständischen Unternehmen punker. Acht Jahre später kamen neue Herausforderungen auf ihn zu: Als Teamleiter steuerte er bis Mai 2018 eigenverantwortlich Prozesse, leitete über 30 Mitarbeiter an und qualifizierte Personal. „In dieser Zeit habe ich mich in den Bereichen Führungsverhalten und Kommunikation weitergebildet und mich zudem zum Sicherheitsbeauftragten qualifizieren lassen. Schon damals hatte ich den Wunsch etwas zu lernen, was mich wirklich weiterbringt“, erzählt Christian Neu.

Im Jahr 2015 wurde es wieder Zeit für etwas Neues: „Ich habe mir zunächst eine Checkliste mit meinen persönlichen Weiterentwicklungswünschen gemacht und mir überlegt, wie ich mich im Unternehmen beruflich verändern kann. Die Geschäftsleitung hatte ein offenes Ohr dafür“, erinnert sich Christian Neu. Er startete eine Industriemeisterweiterbildung mit der Fachrichtung Metall bei der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in Kiel.

„Ich hatte zunächst Bedenken, ob ich mit 38 Jahren noch schultaugliche Kenntnisse in den naturwissenschaftlichen Fächern hatte. Bei einer Infoveranstaltung bei der Wirtschaftsakademie habe ich mir Tipps geholt und konnte mit Fach- und Schulbüchern mein Wissen vorab auffrischen“.

Montag- und Mittwochabend sowie am Samstag besuchte der angehende Industriemeister den Unterricht. „Gelernt wurde sonntags oder gelegentlich während der Arbeitszeit. Statt Morgenzeitung gab es in der Pause dann das BWL-Fachbuch und auch die Lernkarteikarten hatte ich immer in meiner Hemdtasche parat. Wir haben uns in einer Lerngruppe gegenseitig unterstützt und treffen uns noch heute zum Stammtisch. Es war eine intensive Zeit, die uns alle zusammengeschweißt hat“, berichtet Christian Neu.

Der geprüfte Industriemeister (IHK) weiter: „Die Weiterbildung hat mir ganz neue Werkzeuge für die Berufspraxis an die Hand gegeben. Ich kann Zusammenhänge besser verstehen. Aber auch ganz konkret, z. B. im Arbeitsrecht oder bei Präsentationstechniken habe ich viel gelernt, von dem ich heute täglich profitieren kann. Meine erweiterten BWL-Kenntnisse haben mich zudem für viele betriebswirtschaftliche Größen sehr sensibilisiert“, schildert er.

Kurze Zeit nach dem Vorbereitungslehrgang bei der Wirtschaftsakademie und den vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Kiel erfolgreich abgelegten Prüfungen zum Meisterabschluss rundete Christian Neu sein Qualifikationsprofil noch weiter ab und absolvierte eine Fortbildung zum Assistenten im Qualitätsmanagement (IHK), erneut bei der Wirtschaftsakademie in Kiel. „Für mich hat sich damit eine ganz neue Perspektive aufgetan: Ich habe einen guten Überblick über alle Prozesse und Abteilungen bekommen und gewinne immer wieder neue Erkenntnisse“, so Christian Neu.

Beruflich will sich er sich in Zukunft noch eingehender mit dem Qualitätsmanagement beschäftigen. Auch im Bereich Personalführung möchte er sich mehr Know-how aneignen. Etwas Neues - das wird ganz sicher für ihn kommen.

(Bildnachweis: Bild oben: Raetzke/punker GmbH, weitere Bilder: Christian Neu/Wirtschaftsakademie)

Kurzentschlossen zum Meister

Vom Stadtbummel zum Industriemeister – die Weiterbildung von Ayhan Kilinc begann ungewöhnlich. „Eigentlich wollte ich mit meiner damals schwangeren Frau nur spazieren gehen. Da ich zu der Zeit nicht wirklich zufrieden im Job war, sind wir spontan zur Industrie- und Handelskammer gegangen, um uns über eine mögliche Weiterbildung zum Industriemeister zu informieren“, berichtet der Kieler.

Von dem Moment an ging alles ganz schnell: Von der IHK erfuhr er, wo überall Meisterlehrgänge angeboten werden und entschied sich, direkt zur Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein zu fahren. Dort informierte ihn Seminarsekretärin Lydia Gaßner über Inhalte und Ablauf der Weiterbildung. „Sie fragte mich, wie spontan ich sei, da der neue Durchgang schon am nächsten Tag starten würde.“ Ayhan Kilinc ließ sich überzeugen und meldete sich für den zweijährigen Lehrgang an. „Ich wollte meinen Meister sowieso irgendwann machen, aber ohne diesen Ruck – überwiegend von meiner Frau - würde ich wahrscheinlich immer noch zögern“, schmunzelt der 34jährige rückblickend.

Jeden Montag- und Mittwochabend sowie samstags kam er zum Lernen in die Wirtschaftsakademie. Gleich am ersten Tag stand Chemie auf dem Unterrichtsplan – ein Fach, mit dem er sich seit gut 15 Jahren nicht mehr beschäftigt hatte: „Anfangs dachte ich, ich würde das nie schaffen. Aber man muss einfach wieder lernen zu lernen“, erklärt Kilinc. Schnell fand er sich in den Lernalltag ein. So standen für ihn und seine Mitstreiter unter anderem auch BWL, Qualitätsmanagement, betriebliches Kostenwesen, Personalführung sowie Betriebs- und Fertigungstechnik auf dem Programm. Die Weiterbildung noch neben dem Job zu meistern war jedoch auch eine Herausforderung für den jungen Familienvater, der im Schichtsystem eingesetzt wird. Unterstützung erhielt er von seinem Arbeitgeber, dem Gelenkwellenbauer GKN in Kiel, der ihn in den Spätschichten für den Unterricht freistellte.

An der Akademie interessierte Ayhan Kilinc die Betriebswirtschaft besonders: „Ich habe schon immer Menschen bewundert, die sich eine eigene Firma aufgebaut haben. Daher fand ich es sehr spannend zu erfahren, was alles dazugehört.“ Mit dem Verständnis für größere wirtschaftliche Zusammenhänge sieht er inzwischen auch Abläufe im eigenen Unternehmen aus einer anderen Perspektive: „Ich weiß jetzt wie wichtig es ist, dass wir konkurrenzfähig bleiben und die Maschinen laufen. Und wenn es der Firma gut geht, geht es auch mir gut.“

Wie schaffte Ayhan Kilinc es, sich mehr als zwei Jahre lang zu motivieren? Zum einen freue man sich auf die vielen beruflichen Möglichkeiten, die sich als Industriemeister ergeben, erklärt der Maschinenbediener und fügt hinzu: „Und ich wollte einfach den Meisterbrief meiner Familie zeigen, damit sie stolz auf mich sind und die Zeit, die wir als Familie verloren haben, sinnvoll investiert war.“

Der 34jährige hat die Prüfungen mit Bravour bestanden und sich jetzt auf Meisterstellen in seinem Unternehmen beworben. Spätestens seit dem Meisterlehrgang bei der Wirtschaftsakademie weiß er: „Wenn man etwas wirklich will, kann man alles schaffen.“

Pumpentechnik fest im Griff

Industriemeister Metall (IHK) - wenn alles gut geht, kann Helge Hinrichs aus Tönning sich bald so nennen. Bereits seit einem halben Jahr drückt der 23-Jährige Mechaniker für Maschinen und Systemtechnik die Meisterschulbank bei der Wirtschaftsakademie in Kiel – und ist schon jetzt froh, sich für den Lehrgang entschieden zu haben.

Denn obwohl der junge Mann aus der Nähe von Husum viel Freude an seiner jetzigen Arbeit beim Pumpen-Hersteller Sterling SIHI hat, spielte er seit längerem bereits mit dem Gedanken, sich noch weiter zu qualifizieren. „Ich hatte das Gefühl, beruflich ein wenig auf der Stelle zu treten“, erinnert sich Helge Hinrichs. Er fügt augenzwinkernd hinzu: „Das fand ich für meine 23 Jahre eindeutig zu früh.“

Unterstützt durch seinen Arbeitgeber besucht der Tönninger daher seit sechs Monaten die Weiterbildung bei der Wirtschaftsakademie. Er erzählt: „Ich besuche den Lehrgang in Vollzeit, also jeden Tag von 8.00 bis 15.00 Uhr. Für mich ist das optimal, da ich so genügend Zeit habe, den Stoff abends nachzuarbeiten und mich gründlich auf die einzelnen Prüfungen vorzubereiten.“

Die ersten Prüfungen hat Hinrichs auch erfolgreich hinter sich gebracht. „Vor einigen Monaten standen für mich und meine 16 Mitstreiter bereits Prüfungen in den Fächern Mathematik, Betriebswirtschaftslehre, Kommunikation und Präsentation sowie Recht und Zusammenarbeit im Betrieb auf dem Programm –  ich habe alle gut bestanden“, freut sich der angehende Industriemeister.

Den großen Abschlussprüfungen in den Fächern Technik, Organisation und Personalführung- und Entwicklung im Sommer sieht Helge Hinrichs daher entsprechend gelassen entgegen. Er sagt: „Ich fühle mich durch unsere engagierten Dozenten sehr gut vorbereitet. Außerdem haben wir Gruppen gebildet, in denen wir uns gegenseitig beim Lernen unterstützen. Das klappt wirklich prima.“ Auf die kommenden Aufgaben, die ihn als frischgebackenen Meister erwarten, freut sich der 23-Jährige: „Ich kann es kaum erwarten, mich den neuen Herausforderungen zu stellen.“

Mehr Verantwortung im Betrieb

„Verantwortung übernehmen und selber wichtige Entscheidungen treffen – das wollte ich auch!“ – Rüdiger Stieglitz muss nicht lange überlegen, warum er die Meisterschule für angehende Industriemeister Metall (IHK) bei der Wirtschaftsakademie in Glinde besucht hat. Heute, zwei Jahre später, hat der 39-Jährige es geschafft: Er ist Schichtmeister in dem Kunststoff verarbeitenden Betrieb Clariant in Ahrensburg – und das, obwohl der Weg zum Industriemeister für ihn nicht immer leicht war.

„Meine Ausbildung zum Betriebssschlosser habe ich damals in Lübeck gemacht“, erinnert sich der Vater dreier Kinder. „Anschließend habe ich mal hier, mal da in Norddeutschland gearbeitet. Oft über Zeitarbeitsfirmen“, erzählt er weiter.

1998 ging es dann für Rüdiger Stieglitz zu Clariant. „Angefangen habe ich dort als Maschinenführer, habe mich aber nach einiger Zeit zum Vorarbeiter, später sogar zum stellvertretenden Schichtleiter hochgearbeitet“, erzählt er stolz. Doch beim stellvertretenden Schichtleiter sollte es für Stieglitz nicht bleiben. „Ich habe mich dann für die Meisterschule bei der Wirtschaftsakademie in Glinde angemeldet. Glücklicherweise hatte ich die komplette Unterstützung meines Arbeitgebers, so dass ich den Lehrgang neun Monate in Vollzeit besuchen konnte. So hatte ich denn neben der Meisterschule nicht nur genügend Zeit zum Lernen sondern auch noch genug Zeit für meine Familie.“

Ein Dreivierteljahr standen für den Schleswig-Holsteiner und 19 Mitstreiter aus verschiedenen Branchen Theorie und Praxis für angehende Industriemeister bei der Wirtschaftsakademie auf dem Programm. Das Überraschende dabei für Stieglitz: Vor allem die Theorie machte ihm großen Spaß. „Das war schon toll, sich beispielsweise neues Wissen über Personalführung, Betriebswirtschaftslehre und Mathematik anzueignen.“

Weniger leicht fielen dem 39-Jährigen anfangs jedoch die Technik-Einheiten bei der Wirtschaftsakademie. „Seit meiner Ausbildung hat sich vieles verändert. Einiges war sogar komplettes Neuland für mich.“ In einer Lerngruppe mit anderen angehenden Industriemeistern (IHK) konnte Stieglitz sich jedoch auch den Technik-Lehrstoff schnell aneignen – und seine Meisterprüfung vor der Industrie- und Handelskammer letztendlich bravourös bestehen.

„Ich habe meinen Meister mit über 90 Prozent, also einer glatten Eins, gemacht“, freut sich Stieglitz. Lachend fügt er hinzu: „Ich habe mich selbst gewundert – so gut wollte ich eigentlich gar nicht abschneiden.“

Der Industriemeister ist heute immer noch froh, die Weiterbildung absolviert zu haben. „Gleich nach meinem Abschluss habe ich einen Meisterposten bei Clariant erhalten. Ich bin jetzt einer von drei Schichtmeistern und bin in der Produktion unter anderem für die Prozesssicherung und die Prozessoptimierung zu ständig.“ Stieglitz, der in einer Schicht die Verantwortung für bis zu 30 Mitarbeitern trägt, fügt hinzu: „Das ist wirklich eine anspruchsvolle Aufgabe. Ein bisschen weiter soll es für mich aber trotzdem noch gehen: Ich wäre gerne irgendwann einmal erster Schichtleiter.“

Ein Kieler macht Karriere

Francisco Lopez, waschechter Kieler mit spanischen Vorfahren, hat sich wohl für das Berufsfeld schlechthin entschieden, in dem man in einer Hafenstadt arbeiten kann: „Ich habe meine Ausbildung zum Schiffbauer bei dem Kieler Traditionsunternehmen Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH (kurz: HDW) gemacht. "Das Maritime liegt mir einfach“, erzählt der 46jährige Familienvater.

Doch beim Schiffsbauer alleine sollte es nicht lange bleiben. „Einige Jahre war ich  Erster Werker und Meistervertreter, wollte aber beruflich noch höher hinaus und entschied mich, meinen Industriemeister Fachrichtung Metall (IHK) zu machen“, erzählt Francisco Lopez weiter. Mit der Unterstützung seines Arbeitgebers HDW drückte Lopez die Meisterschulbank bei der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in seiner Heimatstadt Kiel. „Meine Mitstreiter und ich hatten fast jeden Abend in der Woche Unterricht. Neben dem Job ist das natürlich eine ziemliche Herausforderung“, sagt der 46Jährige, fügt jedoch augenzwinkernd hinzu, „Aber wie sagt man doch so schön – ohne Fleiß, keinen Preis. Und schließlich wollte ich meinen Meister unbedingt schaffen!"

Und das hat Lopez auch: Nach drei Jahren Meisterschule mit Fächern wie Volkswirtschaftslehre, Recht, Projektmanagement, Kommunikation oder auch Betriebstechnik und Personalführung war es dann für den Kieler und seine 20 Mitstreiter so weit: Nach der Abschlussprüfung konnten alle Teilnehmer ihren Meisterbrief in den Händen halten. „Da war ich schon ein wenig stolz“, erinnert sich Lopez bescheiden, „zu mal ich mit einer Eins als Lehrgangsbester abgeschlossen habe.“Beruflich lohnte sich die Weiterbildung schnell für den frischgebackenen Meister. „Ich bin schon während der Meisterschule bei uns in die Konstruktion und später auch in den Einkauf gewechselt und habe unter anderem das Claimmanagement bei HDW mit aufgebaut. Letzteres wird heute im gesamten Thyssen-Krupp Konzern mit Erfolg gelebt“ Doch schon ein Jahr nach der Meisterprüfung reizte es Francisco Lopez weiter zu lernen. „Ich wollte mich noch weiter qualifizieren – und habe mich dann wieder für eine Weiterbildung bei der Wirtschaftsakademie entschieden. Diesmal zum Technischen Betriebswirt (IHK).“

Die Weiterbildung, die speziell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Industriemeistern, Technikern und Ingenieuren zugeschnitten ist, dauerte weitere zwei Jahre und bedeutete wieder einmal fleißiges Lernen neben dem Job für den ehrgeizigen Kieler. „Ich habe fast jeden Abend mit drei weiteren Teilnehmern zusammen gesessen und die Unterrichtseinheiten nachgearbeitet. Dieses Mal standen vor allem Volks- und Betriebswirtschaft sowie Management für uns auf dem Programm“, erinnert sich Lopez, der mittlerweile im Vertrieb für einen großen Stuttgarter Konzern der Automobilbranche arbeitet.

Auch die Abschlussprüfung zum Technischen Betriebswirt (IHK) hat der Kieler mit Bravour gemeistert und freut sich, auch diesen Schritt  auf der Karriereleiter geschafft zu haben. „Ich habe durch den Unterricht ein völlig neues Weltbild bekommen, habe jetzt eine ganz andere Sicht fürs Betriebswirtschaftliche. Das hilft mir auf jeden Fall sehr bei meiner täglichen Arbeit.“ Beruflich wird es Francisco Lopez dennoch bald wieder zurück in seinen Heimathafen ziehen. „Wenn alles gut geht, bin ich bis zum Ende des Jahres wieder bei der HDW. Darauf freu ich mich schon sehr!"

UPDATE (Januar 2009)

Zurück zur HDW AG ging es für Lopez letztendlich doch nicht – seiner Heimatstadt ist der gebürtige Kieler aber trotzdem treu geblieben. Seit 2009 arbeitet der Technische Betriebswirt (IHK) bei der Medizintechnik-Firma Stryker in Kiel-Schönkirchen – und ist überglücklich mit seinem neuen Job.

„Ich bin bei Stryker gemeinsam mit einem Kollegen für die Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen im Qualitätsmanagement im Schönkirchener Werk der weltweit operierenden Firma zuständig und unterstehe dem Qualitätsdirektor“, erzählt er nicht ganz ohne Stolz. Lopez fühlt sich sehr wohl in seinem neuen Betrieb und freut sich über die spannenden, neuen Aufgaben, die jetzt für ihn anstehen. „Als Spezialist für Qualitätsmanagement habe ich jetzt mit allen Dingen zu tun, welche für das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung relevant sind.“

Danach gefragt, ob ihm seine Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt bei seiner täglichen Arbeit hilft, antwortet der Deutsch-Spanier mit einem klaren „Ja“. Er ergänzt: „Ohne das Wissen, das mir an der Wirtschaftsakademie vermittelt wurde, wäre gar nicht daran zu denken, in einem so komplexen und anspruchsvollen Job zu arbeiten.“ Abschließend fügt er hinzu: „Aber wie heißt es doch so schön: Stillstand ist Rückschritt. Glücklicherweise tut mein jetziger Arbeitgeber aber so viel für die Qualifikation seiner Mitarbeiter, dass ich Gelegenheit haben werde, noch jede Menge dazuzulernen.“


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