Geprüfte/r Bilanzbuchhalter/in (IHK)

Bilanzbuchhalter – ein bunter Beruf

Im finsteren Einzelbüro sitzt ein Mann im grauen Anzug an seinem aktenüberladenen Schreibtisch – ein introvertierter Zahlendreher: So ist gemeinhin die Vorstellung, wenn es um das Berufsbild des Bilanzbuchhalters geht. Wie vielfältig, lebendig und komplex dieser Beruf jedoch sein kann, das beweist der 59-jährige Rolf Pott aus Henstedt-Ulzburg. Nach der Lehre zum Einzelhandelskaufmann startete er seine Laufbahn als Steuerfachgehilfe bei der Bona-Buchstelle in Hohenwestedt und hat auf seinen beruflichen Stationen die trockene Theorie in der Praxis aufleben lassen. Erst mit 56 Jahren erwarb er seine Qualifikation zum IHK-geprüften Bilanzbuchhalter bei der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in Norderstedt – und es hat sich für ihn gelohnt: Heute ist er Alleinbuchhalter in einem international agierenden und renommierten Marktforschungsinstitut in Hamburg.

Nach der Zeit bei der Bona-Buchstelle arbeitete Rolf Pott für eine Steuerberatungsgesellschaft. Es folgten weitere Beschäftigungen als Bilanzbuchhalter. Im Jahr 1997 wurde der vierfache Familienvater bei einem taiwanesischen Unternehmen aus der Elektronikbranche leitender Bilanzbuchhalter: „Es gab nicht nur fachliche Herausforderungen, ich musste auf unterschiedlichsten Ebenen aktiv werden, wie Personal- und Konfliktmanagement, Informationen zusammenbringen und vermitteln“, erinnert sich Rolf Pott. Nach sieben Jahren verlagerte das Unternehmen seinen Standort ins Ausland. Er war in dieser schwierigen Zeit auch mit personellen Angelegenheiten betraut, denn als Personal- und Verwaltungsleiter musste er nicht nur seine geballte fachliche Kompetenz einbringen, sondern auch empathisch und kommunikativ agieren.

2003 folge eine Anstellung als Leiter des Rechnungswesens in der renommierten Rechtsanwaltsfirma Hogan and Lovells. Als die Buchhaltung in Düsseldorf zentralisiert werden sollte, beschließt Rolf Pott den Absprung zu wagen und startete beim Hamburger Emissionshaus König & Cie als Teamleiter der Bilanzbuchhaltung. Es folgte in den nächsten Jahren unter anderem eine angehende Beschäftigung in einer leitenden Position bei der Fude & Serrahn GmbH & Co. KG, einem Unternehmen aus der Milchbranche und später bei einer Steuerberatung vor Ort. „Jede berufliche Station brachte andere Herausforderungen mit sich, das konnte eine neue komplexe Software sein oder internationales Steuerrecht. Das Team und die Führungskräfte ticken auch unterschiedlich. Da sind Fingerspitzengefühl und eine gute Intuition gefragt. Es geht sehr um das zwischenmenschliche Zusammenspiel. Ich muss fachlich überzeugen und ein guter Teamplayer sein, davon hängt meine Glaubwürdigkeit maßgeblich ab“, erklärt Rolf Pott und berichtet weiter: „Obwohl ich mir während meiner Laufbahn viel praktisches Know-how angeeignet hatte, stellte ich immer wieder fest, dass nur eine nachgewiesene Qualifikation entscheidende Vorteile mit sich bringt“.

Rolf Pott fasste daher 2013 den Entschluss ein Fernstudium zu beginnen, brach dieses jedoch bald ab: „Ich merkte schnell, dass ich das Fernstudium nicht beenden würde: Es gab dort organisatorische Probleme, oft fehlte mir auch der eiserne Wille, mich abends oder am Wochenende an das Material zu setzen. Für mich war klar, dass ich den Präsenzunterricht brauche“, erörtert Rolf Pott. An der Wirtschaftsakademie in Norderstedt begann er berufsbegleitend eine Weiterbildung zum geprüften Bilanzbuchhalter IHK. In dieser Zeit begann er für das Marktforschungsinstitut Harris Interactive AG tätig zu werden.

Rolf Pott fühlte sich durch die Wirtschaftsakademie in Norderstedt sehr gut betreut: „Wenn Dozenten ausgefallen sind, wurde schnell für Vertretung gesorgt. Zudem bekamen wir zur Prüfungsvorbereitung Unterrichtsräume zur Verfügung gestellt, in welchen wir den Lernstoff in Gruppen intensiv erarbeiten konnten“. Die bekanntlich komplexe schriftliche und mündliche Prüfung bestand er auf Anhieb und bekam von seinem Sohn dafür einen gravierten Bilanzbuchhalter-Pokal überreicht, der heute seine Wohnung schmückt.

Mit über 50 Jahren noch eine Weiterbildung absolvieren, lohnt sich das? Für Rolf Pott hat es sich rentiert: „Ich habe nicht nur ein solides Fundament für meine Berufspraxis bekommen, sondern konnte mir frisches Fachwissen aneignen und Inhalte reflektieren. Bedeutender war für mich allerdings die gesellschaftliche Anerkennung und die monetäre Wertschätzung“. Seit der Bilanzbuchhalter Zeugnis abgelegt hat, fühlt er sich außerdem im beruflichen Kontext selbstbewusster. In Zukunft will er sich hier weiterentwickeln und kann sich unter anderem vorstellen, seinen Erfahrungsschatz später als Dozent zu teilen oder auch als Interims-Manager aufzutreten.

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Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann

Geprüfte Bilanzbuchhalterin (IHK) – so kann sich die 27-jährige Marlies Deppner nennen. Ein Abschluss, auf den die gebürtige Mecklenburgerin stolz sein kann, denn: Weiterbildung und Prüfung zum Bilanzbuchhalter gelten als überaus anspruchsvoll. In der Tat war der Weg zur Bilanzbuchhalterin nicht immer leicht für die Wahl-Lübeckerin - aber er hat sich für sie gelohnt.

„Nach der Schule wusste ich erst nicht so recht, wo es beruflich für mich hingehen sollte“, erinnert sie sich. „Ich war auf der Suche nach einer soliden Ausbildung und wollte schnell praktische Erfahrungen sammeln.“ Wie schon ihre Schwester hat Marlies Deppner sich dann für eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten entschieden - und dies bis heute nicht bereut. „Der Job macht mir großen Spaß und ist entgegen aller Vorurteile sehr abwechslungsreich“, erzählt sie. „Ich habe jeden Tag mit unterschiedlichen Kunden zu tun. Und auch die Gesetzgebung ändert sich immer wieder. So wird es nie langweilig.“

2005 - drei Jahre nach ihrer erfolgreich absolvierten Abschlussprüfung - wuchs dann der Wunsch in der damals frischgebackenen Steuerfachangestellten, sich weiter zu qualifizieren. „Glücklicherweise hatte ich dabei die volle Unterstützung meines Seniorchefs, dem Mitbegründer von Grasse und Partner, Rolf Grasse. Und so habe ich dann berufsbegleitend meine Weiterbildung zur geprüften Bilanzbuchhalterin (IHK) bei der Wirtschaftsakademie in Lübeck begonnen.“

“Berufsbegleitend, das hieß für Marlies Deppner und ihre 18 Mitstreiter damals, zwei Mal in der Woche Seminare und Trainings bei der Wirtschaftsakademie zu besuchen. „Immer mittwochs abends und samstags standen dann für uns unter anderem Jahresabschlussanalyse und verschiedene Steuerseminare auf dem Programm“, erinnert sich die gebürtige Mecklenburgerin.

Leicht fiel es Marlies Deppner nicht immer, Job und Weiterbildung unter einen Hut zu bekommen. „Das war schon eine ganz schöne Grenzerfahrung“, schmunzelt sie, als sie an ihre Zeit bei der Wirtschaftsakademie zurückdenkt. „Schließlich mussten wir uns nach Feierabend und an den Wochenenden ja auch noch im Selbststudium fachbezogene Aufgabengebiete erarbeiten und für die Zwischen- und Abschlussprüfungen lernen. Da blieb nicht viel Zeit für´s Privatleben.“ 

“Doch nach der gut bestandenen Abschlussprüfung Ostern 2007 waren die Mühen der vorangegangenen Monate schnell wieder vergessen. „Da war ich dann schon stolz“, erinnert sich die 27-Jährige. „Vor allem, weil die komplexe Bilanzbuchhalter-Prüfung in der Regel von vielen nicht beim ersten Anlauf bestanden wird.“ Dass sie den Abschluss auf Anhieb bestanden hat, schreibt  Deppner auch dem engagierten Unterricht von Wirtschaftsakademie-Dozent Hans-Georg Lettow zu.

„Herr Lettow ist eine wahre Korifäe in allem, was mit Bilanzbuchhaltung zu tun hat“, erinnert sich Deppner. „Er hat uns richtig für die Materie begeistert und sehr intensiv mit uns gearbeitet. Daher haben wir aus dem Lehrgang bei der Wirtschaftsakademie dann auch fast alle die Abschlussprüfungen beim ersten Versuch bestanden.“

Heute arbeitet Marlies Deppner noch immer in ihrem ehemaligen Ausbildungsbetrieb - hat aber als geprüfte Bilanzbuchhalterin einige neue, verantwortungsvolle Aufgabenfelder dazu gewonnen. „Ich arbeite jetzt auch verstärkt an Jahresabschlüssen. Und in der Zukunft werde ich auch noch mehr mit Steuererklärungen zu tun haben. Darauf freue ich mich schon sehr.“

Abschließend fügt sie hinzu: „Und wer weiß – vielleicht geht es in den nächsten Jahren ja noch eine Stufe weiter für mich auf der Karriereleiter: Ich würde mich gerne auch noch zur Steuerberaterin weiter qualifizieren.“


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